Archive for Februar, 2008

Nutzloser Pornofilter

Es hätte so ein großer Erfolg der Howard-Regierung werden können – in den Augen der Howard-Regierung: mit viel Aufwand (das Gesamtbudget für die Aktion NetAlert belief sich auf knapp 190 Millionen Dollar) wurde unter anderem eine Filter-Software erstellt, die Kinder vor pornografischen Inhalten aus dem Internet schützen sollte. Der Versuch floppte in doppelter Hinsicht: zum einen hatten nur gut 140.000 der ursprünglich geplanten 2,5 Millionen Haushalte die gratis erhältliche Software heruntergeladen, zum anderen wurde der Filter kurz nach Erscheinen von einem 16-Jährigen geknackt.

Via SMH

Unbeschwertes Schafleben

SchaftDa denkt man, so ein Schaf hat ein bequemes Leben. Ist man ein Wollschaf, muss man nur fressen und wachsen lassen. Ist man ein Fleischschaf … naja, aber bis zum Kochtopf ist’s doch auch bequem. Meint man. Was ich bis dato nicht wusste, ist, dass australische Bauern ihren Schafen auf bestimmte Weise ein Stück Haut vom Schwanz abschneiden, um damit dem sogenannten “flystrike” vorzubeugen: hier wird so ein Schaf ziemlich unappetitlich von Maden … wollen wir uns das lieber nicht vorstellen. Diese Praxis ist nach dem Erfinder als “mulesing” benannt und bekannt und unter Tierschützern umstritten. Jetzt zieht die Modekette H&M die Konsequenzen und kauft keine australische Wolle mehr, um dieses Vorgehen nicht weiter zu unterstützen. In diesem Zusammenhang kann man nur von Glück reden, dass Bikinis nicht aus Wolle gemacht sind: Australiens Kylie Minogue hatte im letzten Jahr für H&M Bademode präsentiert.

Foto: Flickr (Duchamp)

Kevin Rudds Entschuldigung, deutsche Version

Jetzt habe ich einmal die Zeit gefunden, die heute morgen um 9h australischer Zeit in Canberra verlesene Rede des australischen Premierministers zu übersetzen:

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Heute ehren wir die eingeborenen Völker dieses Landes, die ältesten fortdauernden Kulturen der Menschheitsgeschichte.

Wir denken über ihre Misshandlungen in der Vergangenheit nach.

Besonders denken wir an die Misshandlungen derjenigen der gestohlenen Generationen – dieses dunkle Kapitel in der Geschichte unserer Nation.

Nun ist die Zeit gekommen, eine neue Seite in der australischen Geschichte aufzuschlagen, indem wir die Fehler der Vergangenheit korrigieren und mit Zuversicht unserer Zukunft entgegengehen.

Wir bitten um Entschuldigung für die Gesetze und Methoden früherer Parlamente und Regierungen, die tiefe Trauer und unsagbares Leid über unsere australischen Mitbrüder und Mitschwestern gebracht haben.

Wir bitten besonders dafür um Entschuldigung, dass Kinder der Aboriginals und der Torres Strait Islander ihren Familien, Gemeinschaften und ihrem Land genommen wurden.

Für den Schmerz, das Leiden und die Kränkungen dieser gestohlenen Generationen, ihrer Nachkommen und der hinterlassenen Familien bitten wir um Verzeihung.

Dafür, dass Familien und Gemeinschaften zerstört wurden, bitten wir die Mütter und Väter und die Brüder und Schwestern um Verzeihung.

Schließlich bitten für die Demütigung und Erniedrigung, die einem stolzen Volk und einer stolzen Kultur angetan wurde, um Verzeihung.

Wir, das Parlament Australiens bitten höflich darum, dass diese Entschuldigung in dem Geist verstanden wird, wie sie gemeint ist, als Teil der Genesung unserer Nation.

Für die Zukunft fassen wir uns ein Herz; entschlossen, dass diese neue Seite in der Geschichte unseres großartigen Kontinents geschrieben werden kann.

Wir gehen heute diesen ersten Schritt, indem wir die Vergangenheit anerkennen und eine Zukunft beanspruchen, die alle Australier einbezieht.

Eine Zukunft, in der das Parlament entschlossen ist, dass die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit sich niemals mehr wiederholen dürfen.

Eine Zukunft, in der wir die Entschlossenheit aller Australier, eingeborene und nicht eingeborene, nutzen, um die Lücke zwischen uns bei Lebenserwartung, Ausbildung und wirtschaftlichen Chancen zu schließen,

Eine Zukunft, in der wir die Möglichkeiten neuer Lösungen annehmen, und bestehende Probleme lösen, bei denen alte Lösungswege versagt haben.

Eine Zukunft basierend auf beiderseitigem Respekt, beiderseitiger Entschlossenheit und beiderseitiger Verantwortung.

Eine Zukunft in der alle Australier, ganz gleich wo ihre Wurzeln liegen, wirklich gleiche Partner sind, mit gleichen Chancen und mit gleichem Anteil daran, das nächste Kapitel unseres großartigen Landes, Australien, mitzugestalten.

Der Text der Entschuldigung

Vor der eigentlichen Entschuldigungsrede wegen der Ungerechtigkeiten der “stolen generations” hat Premierminister Rudd seinen Text bereits veröffentlicht. Ich füge ihn hier der Einfachheit halber einfach mal ein, wenn ich dazu komme liefere ich noch eine Übersetzung nach.

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“Today we honour the Indigenous peoples of this land, the oldest continuing cultures in human history.

We reflect on their past mistreatment.

We reflect in particular on the mistreatment of those who were Stolen Generations – this blemished chapter in our nation’s history.

The time has now come for the nation to turn a new page in Australia’s history by righting the wrongs of the past and so moving forward with confidence to the future.

We apologise for the laws and policies of successive Parliaments and governments that have inflicted profound grief, suffering and loss on these our fellow Australians.

We apologise especially for the removal of Aboriginal and Torres Strait Islander children from their families, their communities and their country.

For the pain, suffering and hurt of these Stolen Generations, their descendants and for their families left behind, we say sorry.

To the mothers and the fathers, the brothers and the sisters, for the breaking up of families and communities, we say sorry.

And for the indignity and degradation thus inflicted on a proud people and a proud culture, we say sorry.

We the Parliament of Australia respectfully request that this apology be received in the spirit in which it is offered as part of the healing of the nation.

For the future we take heart; resolving that this new page in the history of our great continent can now be written.

We today take this first step by acknowledging the past and laying claim to a future that embraces all Australians.

A future where this Parliament resolves that the injustices of the past must never, never happen again.

A future where we harness the determination of all Australians, Indigenous and non-Indigenous, to close the gap that lies between us in life expectancy, educational achievement and economic opportunity.

A future where we embrace the possibility of new solutions to enduring problems where old approaches have failed.

A future based on mutual respect, mutual resolve and mutual responsibility.

A future where all Australians, whatever their origins, are truly equal partners, with equal opportunities and with an equal stake in shaping the next chapter in the history of this great country, Australia.”

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Quelle: Apology to the stolen generations

Nachtrag:You need to a flashplayer enabled browser to view this YouTube video

Das kleine Wörtchen “sorry”

Bringing them homeEin unrühmliches Kapitel der jüngeren australischen Geschichte ist dies der so genannten “stolen generation”. Hier wurden von 1869 bis 1969 (offizielle Angabe) systematisch vornehmlich “Mischlingskinder” (halfcaste) der australischen Ureinwohner gewaltsam von ihren Familien getrennt, um sie nach Prinzipien der westlichen Einwanderer zu erziehen. Dazu wurden die Kinder und Jugendlichen in Erziehungslager und Waisenhäuser gebracht, oft weit entfernt von ihren Familien.

Grundlage für diese nach heutigen Maßstäben unvorstellbare, staatlich sanktionierte Grausamkeit war vor allem die weit verbreitete Ansicht, dass Halblütige den Aboriginals intellektuell überlegen seien und es daher die Pflicht des Staates sei, dafür zu sorgen, dass sie die Chance erhielten, ein besseres Leben zu führen als ihre Aboriginal-Brüder. James Isdell, Chief Protector (“Beschützer”) der Aboriginals beispielsweise, der mit dem “Aboriginal Act” in Westaustralien im Jahr 1905 automatisch zum Vormund aller Aboriginals unter 16 Jahren wurde, war der Ansicht, er würde keinen Moment zögern, einer Mutter solch ein Kind wegzunehmen, so schlimm die Trauer in den Familien auch sei. Früher oder später würde sie den Nachwuchs einfach vergessen.

Kevin Rudd Australische Regierungen haben sich seither für diese Praxis der Zwangsverschleppung nicht entschuldigt. Zuletzt sorgte der ehemalige Premierminister John Howard dafür, dass zwar ein Bedauern ausgesprochen und ein National Sorry Day eingerichtet wurde, zu einer richtigen, von den Aboriginals akzeptierte Entschuldigung kam es jedoch nie. So erstaunlicher ist es daher zu lesen, dass der neue Premierminister Kevin Rudd angekündigt hat, sich morgen in einer von ihm selbst verfassten Rede bei den betroffenen Generationen offiziell im Namen der Regierung zu entschuldigen. Wert legen alle Beteiligten vor allem auf die Tatsache, dass das Wort “sorry” im Text vorkommt, sodass die Rede auch von den Betroffenen als Entschuldigung anerkannt werden kann.

Das Thema “stolen generation” ist ein sehr komplexer Sachverhalt und wird spätestens nach Veröffentlichung des Berichts Bringing them home: The ‘Stolen Children’ report im Jahr 1997 immer noch sehr kontrovers diskutiert. An dieser Stelle sollte es lediglich einmal angerissen werden, später komme ich sicherlich noch öfter darauf zurück.

Flughafen-Bürokratie

Sydney AirportBei aller Exotik Australiens – andere Hemisphäre, völlig andere Tier- und Pflanzenwelt – gibt es doch Dinge, die einen ein wenig an die eigene Heimat erinnern: Für den Flughafen in Sydney gilt ein Nachtflugverbot, Flugzeuge dürfen nur bis 23h starten. Diese durchaus sinnvolle Maßnahme, die den Menschen in den umliegenden Vororten die wohlverdiente Nachtruhe garantiert, wurde kürzlich sehr bürokratisch überinterpretiert. Da sich Abflüge von Jetstar und Virginblue in der letzten Woche wegen schlechten Wetters verzögerten, sodass die 23h-Deadline um einige Minuten hätte überschritten werden müssen, wurden diese Flüge kurzerhand gestrichen und auf den nächsten Morgen verschoben. In einigen Fällen mussten Menschen deswegen draußen vor dem abgeschlossenen Terminalgebäude im Regen campieren, in anderen wurde die ganze Nacht über mehr oder weniger erfolgreich versucht, zumindest Schwangeren und Familien mit Kindern ein Hotelzimmer in der Umgebung gesucht. Die Menschen sind mittlerweile hoffentlich an ihren Zielorten angekommen, mir bleibt nur Kopfschütteln und eine 10-Dollar-Spende für die Amtsschimmelkasse.

Foto: Flickr (elkbuntu)

Cricket

CricketWenn es einen Sport gibt, der das Herz jedes Australiers höher schlagen lässt und gleichzeitig viel über Australiens Geschichte und Selbstverständnis ausdrückt, dann ist es Cricket. Diese Sportart hat viele Besonderheiten und komplizierte Regeln, die man erst wirklich verstehen kann, wenn man Cricket mit der Muttermilch aufgesogen hat. Spiele heißen in der Königsklasse tests, erstrecken sich über mehrere Tage, werden durch erfrischende Pausen für Tees und Mahlzeiten unterbrochen und von Spielern gespielt, denen das geschickte Schlagen und Fangen des Cricket-Balls ebenso wichtig zu sein scheint wie die Unversehrtheit der blitzweißen gestärkten Uniform.

Im Prinzip funktioniert dieser Sport sol: Ein Ballwerfer (bowler) von Team A schleudert den Ball in Richtung des Schlagmanns (batsman) von Team B und versucht, die Gestänge (wickets) hinter Letzterem zu treffen. Der Schlagmann probiert nun seinerseits, den Ball möglichst weit ins Feld zu schlagen, sodass die Feldspieler des Teams A ihre liebe Mühe damit haben, den Ball einzufangen und in die Mitte zurückzuwerfen. Ist der Ball so im Spiel, hat der Ballwerfer nun die Möglichkeit, zwischen zwei Strichen hin- und herzulaufen und somit Punkte (runs) zu sammeln. Eine detaillierte und bebilderte Beschreibung des Sports findet sich bei Wikipedia.

Es scheint bezeichnend für diese Gentleman-Sportart, dass verbale Ausrutscher gleich politische Verstimmungen mittleren Kalibers auslösen können– jüngst geschehen bei einem Testspiel zwischen Australien und Indien in Sydney Anfang Januar. Der indische Spieler Harbhajan Singh bedachte dabei mutmaßlich die australische Cricket-Legende Andrew Symonds mit dem Kosenamen „big monkey“. Vom International Cricket Council (ICC) als rassistische Äußerung bewertet, sollte Singh als Strafe für drei Spiele gesperrt werden. Die indische Dachorganisaton (Indian Cricket Board – BCCI) drohte daraufhin, sich komplett aus dem Turnier verabschieden. Der verbalen Freundlichkeiten nicht genug bezeichnete der australische Spieler Brad Hogg einige Zeit später das ganze indische Team als „bastards“. (Gegen Rijkaards Spuck- und Zidanes Kopfattacken im Fußball unserer Hemisphäre wirkt das Ganze natürlich recht zart.)

Cricket wurde zuerst in England von Bauern und Hirten gespielt, bevor die Regeln verfeinert wurden, Adelige professionelle Teams aufbauten und sich das Spiel zum Nationalsport entwickelte. Als Kolonialmacht “exportierte” England die Sportart in die ganze Welt, sodass heute die besten Teams vor allem aus den Nationen des ehemaligen Commomwealth stammen. Dies gilt beispielsweise für Australien, Neuseeland, Südafrika und Länder Südostasiens wie Indien, Pakistan und Sri Lanka. Bei einem internationalen Cricket-Turnier, so scheint es mir jedenfalls, schwebt also immer ein klein wenig Britisches Empire über den Stadien (ovals). So viele historische Verbindungen es aber zwischen Australien und dem England gibt: beim Cricket hat man das “Mutterland” längst abgehängt.

Foto: Flickr (Demsone)

So fängt’s an

Dies ist ein Blog zum Thema Australien, das ich mit den Worten beginnen könnte: “Vor gut 200 Jahren segelte Captain Cook…”. Oder auch mit dieser Variante: “Die Aboriginals leben schon seit ca. 40.000 bis 50.000 in Australien.” Obwohl diese Themen sicherlich in späteren Beiträgen zur Sprache kommen werden, würde ich die Sache gerne etwas anders angehen und einfach irgendwo in der Mitte beginnen.