Published by Roman Zenner on März 18, 2008
under Geschichte
Am 19. November 1941 ereignete sich im Indischen Ozean die größte Katastrophe und gleichzeitig das größte Mysterium der australischen militärischen Seefahrt: der Kreuzer HMAS Sydney wurde nach einem Feuergefecht mit dem deutschen Hilfskreuzer Kormoran so schwer beschädigt, dass er entfernt der Kampfstelle ungesehen versank und die gesamte 645 Mann starke Besatzung in den Tod riss. Die Kormoran sank auf der Stelle, wobei mehr als 300 Seeleute der insgesamt 390 Mann starken Besatzung gerettet werden konnten.
Das Puzzle scheint sich nun in doppelter Hinsicht zu lösen: Am vergangenen Samstag wurde das Wrack der Kormoran 240 Kilometer westlich der Shark Bay im Indischen Ozean gefunden, nachdem weite Teile des Meerbodens mit Sonartechnologie abgesucht worden waren. Nur zwei Tage später meldeten die Forscher dann den Fund der HMAS Sydney, nur 22 Kilometer von der Kormoran entfernt. Zwar herrschen in Expertenkreisen noch Zweifel an der Echheit des Fundes – es könnte sich bei den Funden auch um Teile des ebenfalls vor der Küste Westautraliens versenkten amerikanischen Schiffes Peter Silvester handeln – doch in einer offiziellen Ansprache der Regierung sprach Premierminister den Familien der Hinterbliebenen bereits sein Beileid aus.
Published by Roman Zenner on Februar 12, 2008
under Geschichte, Politik
Vor der eigentlichen Entschuldigungsrede wegen der Ungerechtigkeiten der “stolen generations” hat Premierminister Rudd seinen Text bereits veröffentlicht. Ich füge ihn hier der Einfachheit halber einfach mal ein, wenn ich dazu komme liefere ich noch eine Übersetzung nach.
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“Today we honour the Indigenous peoples of this land, the oldest continuing cultures in human history.
We reflect on their past mistreatment.
We reflect in particular on the mistreatment of those who were Stolen Generations – this blemished chapter in our nation’s history.
The time has now come for the nation to turn a new page in Australia’s history by righting the wrongs of the past and so moving forward with confidence to the future.
We apologise for the laws and policies of successive Parliaments and governments that have inflicted profound grief, suffering and loss on these our fellow Australians.
We apologise especially for the removal of Aboriginal and Torres Strait Islander children from their families, their communities and their country.
For the pain, suffering and hurt of these Stolen Generations, their descendants and for their families left behind, we say sorry.
To the mothers and the fathers, the brothers and the sisters, for the breaking up of families and communities, we say sorry.
And for the indignity and degradation thus inflicted on a proud people and a proud culture, we say sorry.
We the Parliament of Australia respectfully request that this apology be received in the spirit in which it is offered as part of the healing of the nation.
For the future we take heart; resolving that this new page in the history of our great continent can now be written.
We today take this first step by acknowledging the past and laying claim to a future that embraces all Australians.
A future where this Parliament resolves that the injustices of the past must never, never happen again.
A future where we harness the determination of all Australians, Indigenous and non-Indigenous, to close the gap that lies between us in life expectancy, educational achievement and economic opportunity.
A future where we embrace the possibility of new solutions to enduring problems where old approaches have failed.
A future based on mutual respect, mutual resolve and mutual responsibility.
A future where all Australians, whatever their origins, are truly equal partners, with equal opportunities and with an equal stake in shaping the next chapter in the history of this great country, Australia.”
Published by Roman Zenner on Februar 11, 2008
under Geschichte, Politik
Ein unrühmliches Kapitel der jüngeren australischen Geschichte ist dies der so genannten “stolen generation”. Hier wurden von 1869 bis 1969 (offizielle Angabe) systematisch vornehmlich “Mischlingskinder” (halfcaste) der australischen Ureinwohner gewaltsam von ihren Familien getrennt, um sie nach Prinzipien der westlichen Einwanderer zu erziehen. Dazu wurden die Kinder und Jugendlichen in Erziehungslager und Waisenhäuser gebracht, oft weit entfernt von ihren Familien.
Grundlage für diese nach heutigen Maßstäben unvorstellbare, staatlich sanktionierte Grausamkeit war vor allem die weit verbreitete Ansicht, dass Halblütige den Aboriginals intellektuell überlegen seien und es daher die Pflicht des Staates sei, dafür zu sorgen, dass sie die Chance erhielten, ein besseres Leben zu führen als ihre Aboriginal-Brüder. James Isdell, Chief Protector (“Beschützer”) der Aboriginals beispielsweise, der mit dem “Aboriginal Act” in Westaustralien im Jahr 1905 automatisch zum Vormund aller Aboriginals unter 16 Jahren wurde, war der Ansicht, er würde keinen Moment zögern, einer Mutter solch ein Kind wegzunehmen, so schlimm die Trauer in den Familien auch sei. Früher oder später würde sie den Nachwuchs einfach vergessen.
Australische Regierungen haben sich seither für diese Praxis der Zwangsverschleppung nicht entschuldigt. Zuletzt sorgte der ehemalige Premierminister John Howard dafür, dass zwar ein Bedauern ausgesprochen und ein National Sorry Day eingerichtet wurde, zu einer richtigen, von den Aboriginals akzeptierte Entschuldigung kam es jedoch nie. So erstaunlicher ist es daher zu lesen, dass der neue Premierminister Kevin Rudd angekündigt hat, sich morgen in einer von ihm selbst verfassten Rede bei den betroffenen Generationen offiziell im Namen der Regierung zu entschuldigen. Wert legen alle Beteiligten vor allem auf die Tatsache, dass das Wort “sorry” im Text vorkommt, sodass die Rede auch von den Betroffenen als Entschuldigung anerkannt werden kann.
Das Thema “stolen generation” ist ein sehr komplexer Sachverhalt und wird spätestens nach Veröffentlichung des Berichts Bringing them home: The ‘Stolen Children’ report im Jahr 1997 immer noch sehr kontrovers diskutiert. An dieser Stelle sollte es lediglich einmal angerissen werden, später komme ich sicherlich noch öfter darauf zurück.