Archive for the 'Politik' Category

Julia Gillard neue Premierministerin

Das ist jetzt wirklich old news und ich frage mich, wie mir diese so lange durch die Lappen haben gehen können. (Ich habe da einen Verdacht, hat mit zu viel Arbeit zu tun, das steht jedoch auf einem anderen Blatt: Seit dem 24. Juni hat mit Julia Gillard erstmalig eine Frau das Amt des australischen Prime Minister inne. Scheinbar gab es innerhalb der Labour-Partei Entwicklungen, die Kevin Rudd letzlich aus dem Amt gedrängt haben. In dieser Sache muss ich mir erst noch Klarheit verschaffen, werde hoffentlich bald ein umfassenderes Bild veröffentlichen können. Bis dahin muss leider dieser Artikel erst einmal reichen: Julia Gillard becomes prime minister

Ein Wiedersehen in diesem Blog – und mit Pauline Hanson

Es ist ja schon verrückt, da habe ich es tatsächlich geschafft, dieses Blog ein halbes Jahr Beitrags-los vor sich hinvegetieren zu lassen. Aus diesem Grund: Erst einmal ein Frohes Neues Jahr allen!

Um mit einem – zugegebenerweise seichten – Thema wieder ein wenig in die Australien-Schreiberei einzusteigen, möchte ich hier ein paar Zeilen zum neuen “Nacktskandal” um Pauline Hanson zum besten geben. Diese mittlerweile nicht mehr so junge Dame wurde 1996 für die (bürgerliche) Liberal Party in das australische Parlament gewählt und machte vor allem durch Ihre extremnationalen Äußerungen von sich reden. Dies führte zum Rausschmiss, weswegen Sie ein Jahr später Ihre eigene One Nation Party gründete.

Pikanterweise sind nun Bilder veröffentlicht worden, die Frau Hanson als 19-Jährige halbnackt posierend darstellen sollen. Diese dementiert energisch: Pauline offers to bare her belly over photos. Tja, hierzulande gibt’s keine Politiker-Nacktaufnahmen, lediglich überquellende Kanzlerinnen-Dekolletés.

Kevin Rudds Entschuldigung, deutsche Version

Jetzt habe ich einmal die Zeit gefunden, die heute morgen um 9h australischer Zeit in Canberra verlesene Rede des australischen Premierministers zu übersetzen:

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Heute ehren wir die eingeborenen Völker dieses Landes, die ältesten fortdauernden Kulturen der Menschheitsgeschichte.

Wir denken über ihre Misshandlungen in der Vergangenheit nach.

Besonders denken wir an die Misshandlungen derjenigen der gestohlenen Generationen – dieses dunkle Kapitel in der Geschichte unserer Nation.

Nun ist die Zeit gekommen, eine neue Seite in der australischen Geschichte aufzuschlagen, indem wir die Fehler der Vergangenheit korrigieren und mit Zuversicht unserer Zukunft entgegengehen.

Wir bitten um Entschuldigung für die Gesetze und Methoden früherer Parlamente und Regierungen, die tiefe Trauer und unsagbares Leid über unsere australischen Mitbrüder und Mitschwestern gebracht haben.

Wir bitten besonders dafür um Entschuldigung, dass Kinder der Aboriginals und der Torres Strait Islander ihren Familien, Gemeinschaften und ihrem Land genommen wurden.

Für den Schmerz, das Leiden und die Kränkungen dieser gestohlenen Generationen, ihrer Nachkommen und der hinterlassenen Familien bitten wir um Verzeihung.

Dafür, dass Familien und Gemeinschaften zerstört wurden, bitten wir die Mütter und Väter und die Brüder und Schwestern um Verzeihung.

Schließlich bitten für die Demütigung und Erniedrigung, die einem stolzen Volk und einer stolzen Kultur angetan wurde, um Verzeihung.

Wir, das Parlament Australiens bitten höflich darum, dass diese Entschuldigung in dem Geist verstanden wird, wie sie gemeint ist, als Teil der Genesung unserer Nation.

Für die Zukunft fassen wir uns ein Herz; entschlossen, dass diese neue Seite in der Geschichte unseres großartigen Kontinents geschrieben werden kann.

Wir gehen heute diesen ersten Schritt, indem wir die Vergangenheit anerkennen und eine Zukunft beanspruchen, die alle Australier einbezieht.

Eine Zukunft, in der das Parlament entschlossen ist, dass die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit sich niemals mehr wiederholen dürfen.

Eine Zukunft, in der wir die Entschlossenheit aller Australier, eingeborene und nicht eingeborene, nutzen, um die Lücke zwischen uns bei Lebenserwartung, Ausbildung und wirtschaftlichen Chancen zu schließen,

Eine Zukunft, in der wir die Möglichkeiten neuer Lösungen annehmen, und bestehende Probleme lösen, bei denen alte Lösungswege versagt haben.

Eine Zukunft basierend auf beiderseitigem Respekt, beiderseitiger Entschlossenheit und beiderseitiger Verantwortung.

Eine Zukunft in der alle Australier, ganz gleich wo ihre Wurzeln liegen, wirklich gleiche Partner sind, mit gleichen Chancen und mit gleichem Anteil daran, das nächste Kapitel unseres großartigen Landes, Australien, mitzugestalten.

Der Text der Entschuldigung

Vor der eigentlichen Entschuldigungsrede wegen der Ungerechtigkeiten der “stolen generations” hat Premierminister Rudd seinen Text bereits veröffentlicht. Ich füge ihn hier der Einfachheit halber einfach mal ein, wenn ich dazu komme liefere ich noch eine Übersetzung nach.

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“Today we honour the Indigenous peoples of this land, the oldest continuing cultures in human history.

We reflect on their past mistreatment.

We reflect in particular on the mistreatment of those who were Stolen Generations – this blemished chapter in our nation’s history.

The time has now come for the nation to turn a new page in Australia’s history by righting the wrongs of the past and so moving forward with confidence to the future.

We apologise for the laws and policies of successive Parliaments and governments that have inflicted profound grief, suffering and loss on these our fellow Australians.

We apologise especially for the removal of Aboriginal and Torres Strait Islander children from their families, their communities and their country.

For the pain, suffering and hurt of these Stolen Generations, their descendants and for their families left behind, we say sorry.

To the mothers and the fathers, the brothers and the sisters, for the breaking up of families and communities, we say sorry.

And for the indignity and degradation thus inflicted on a proud people and a proud culture, we say sorry.

We the Parliament of Australia respectfully request that this apology be received in the spirit in which it is offered as part of the healing of the nation.

For the future we take heart; resolving that this new page in the history of our great continent can now be written.

We today take this first step by acknowledging the past and laying claim to a future that embraces all Australians.

A future where this Parliament resolves that the injustices of the past must never, never happen again.

A future where we harness the determination of all Australians, Indigenous and non-Indigenous, to close the gap that lies between us in life expectancy, educational achievement and economic opportunity.

A future where we embrace the possibility of new solutions to enduring problems where old approaches have failed.

A future based on mutual respect, mutual resolve and mutual responsibility.

A future where all Australians, whatever their origins, are truly equal partners, with equal opportunities and with an equal stake in shaping the next chapter in the history of this great country, Australia.”

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Quelle: Apology to the stolen generations

Nachtrag:You need to a flashplayer enabled browser to view this YouTube video

Das kleine Wörtchen “sorry”

Bringing them homeEin unrühmliches Kapitel der jüngeren australischen Geschichte ist dies der so genannten “stolen generation”. Hier wurden von 1869 bis 1969 (offizielle Angabe) systematisch vornehmlich “Mischlingskinder” (halfcaste) der australischen Ureinwohner gewaltsam von ihren Familien getrennt, um sie nach Prinzipien der westlichen Einwanderer zu erziehen. Dazu wurden die Kinder und Jugendlichen in Erziehungslager und Waisenhäuser gebracht, oft weit entfernt von ihren Familien.

Grundlage für diese nach heutigen Maßstäben unvorstellbare, staatlich sanktionierte Grausamkeit war vor allem die weit verbreitete Ansicht, dass Halblütige den Aboriginals intellektuell überlegen seien und es daher die Pflicht des Staates sei, dafür zu sorgen, dass sie die Chance erhielten, ein besseres Leben zu führen als ihre Aboriginal-Brüder. James Isdell, Chief Protector (“Beschützer”) der Aboriginals beispielsweise, der mit dem “Aboriginal Act” in Westaustralien im Jahr 1905 automatisch zum Vormund aller Aboriginals unter 16 Jahren wurde, war der Ansicht, er würde keinen Moment zögern, einer Mutter solch ein Kind wegzunehmen, so schlimm die Trauer in den Familien auch sei. Früher oder später würde sie den Nachwuchs einfach vergessen.

Kevin Rudd Australische Regierungen haben sich seither für diese Praxis der Zwangsverschleppung nicht entschuldigt. Zuletzt sorgte der ehemalige Premierminister John Howard dafür, dass zwar ein Bedauern ausgesprochen und ein National Sorry Day eingerichtet wurde, zu einer richtigen, von den Aboriginals akzeptierte Entschuldigung kam es jedoch nie. So erstaunlicher ist es daher zu lesen, dass der neue Premierminister Kevin Rudd angekündigt hat, sich morgen in einer von ihm selbst verfassten Rede bei den betroffenen Generationen offiziell im Namen der Regierung zu entschuldigen. Wert legen alle Beteiligten vor allem auf die Tatsache, dass das Wort “sorry” im Text vorkommt, sodass die Rede auch von den Betroffenen als Entschuldigung anerkannt werden kann.

Das Thema “stolen generation” ist ein sehr komplexer Sachverhalt und wird spätestens nach Veröffentlichung des Berichts Bringing them home: The ‘Stolen Children’ report im Jahr 1997 immer noch sehr kontrovers diskutiert. An dieser Stelle sollte es lediglich einmal angerissen werden, später komme ich sicherlich noch öfter darauf zurück.